Kompetenzbilanz aus Freiwilligen-Engagement für „Freiwillige in Parks“

Freiwilligenengagement macht kompetent. Im Programm „Ehrensache Natur – Freiwillige in Parks“ von EUROPARC Deutschland e.V. engagieren sich Naturbegeisterte jeden Alters für die deutschen Nationalparks, Naturparks und Biosphärenreservate. In diesen Nationalen Naturlandschaften spenden Sie nicht nur ihre Zeit, Arbeitskraft, Kreativität etc. für den Schutz der Natur, sie entwickeln auch – häufig unbewusst – neue Fähigkeiten und Kompetenzen. Es lohnt sich, diese „Bereicherung“ selbst zu beobachten und sich den Nutzen des Freiwilligenengagements für die persönliche Entwicklung bewusst zu machen. Aber wie? Wie kann ich herausfinden, welche Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen ich in meinem Engagement für die Nationalen Naturlandschaften erworben und (weiter)entwickelt habe?

Die „Kompetenzbilanz aus Freiwilligen-Engagement für ‚Freiwillige in Parks‘“ ist eine Anleitung, um im Ehrenamt erworbene oder weiterentwickelte Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen zu erkennen und zu dokumentieren. Sie wurde im Rahmen des Projekts „PETAL – Passport to Environmental Training and Learning“ (2008-10, EU-Programm Lebenslanges Lernen/Leonardo) erarbeitet. Im Projekt entwickelte EUROPARC Deutschland gemeinsam mit fünf europäischen Projektpartnern Lernmaterialien und Bilanzierungshilfen auf der Grundlage des Europäischen Qualifikationsrahmens. Unter anderem wurde die Methode „Kompetenzbilanz aus Freiwilligen-Engagement“ (Deutsches Jugendinstitut/DJI) auf Freiwilligenengagement in den Nationalen Naturlandschaften übertragen.

Im Jubiläumsjahr 2013 präsentiert sich das Freiwilligenprogramm in den Nationalen Naturlandschaften unter dem Motto „10 Jahre Ehrensache Natur – ich pack‘ mit an!“ Monatliche Aktionen mit Projektpartnern und Unterstützern zeigen über das Jahr beispielhaft die vielen Facetten von “Ehrensache Natur”. Lesen Sie mehr auf: www.ehrensache-natur.de

Interviews zur Ausbildung Freiwilligenkoordination

Im September 2007 war eine Reporterin des Inforadio des RBB bei uns zu Gast in einem Basiskurs Freiwilligenkoordination. Hier sind nun die Interviews zu hören. Ein prima Einblick in unsere im ganzen deutschsprachigen Bereich (Deutschland, Österreich, Schweiz, Belgien) erfolgreichen Basiskurse Freiwilligenkoordination.

Unser Basiskurs vermittelt in einem 2,5 tägigen Workshopseminar alles was wichtig ist, um in einer Organisation, einer Einrichtung oder einem Projekt eine gute Freiwilligenarbeit zu planen, Aufgaben für Freiwillige zu entwickeln, Freiwillige zu gewinnen, zu integrieren und zu behalten.

Freiwilliges Engagement ist heutzutage nicht mehr voraussetzungslos. An einem Engagement Interessierte möchten heute gute Rahmenbedingungen vorfinden. Sie wollen eine zeitliche Begrenzung ihres Engagements, eine gute Begleitung durch eineN AnsprechpartnerIn, klare Regelungen zu Versicherungs- und Finanzfragen und klare Absprachen zu ihrem freiwilligen Engagement…

All dies muss eine Organisation vorbereiten und entsprechende Rahmenbedingungen entwickeln! Diese Managementaufgaben und die dazu gehörenden Methoden können einfach gelernt werden und müssen passend zur jeweiligen Organisation entwickelt werden.

Zur Volunteer-Classification

Dieser Beitrag ist eine von Hannes Jähnert leicht veränderte Fassung. Zuerst erschienen im Weblog “Die wunderbare Welt …

Auf der Suche nach einer empfehlenswerten Methode die ‘richtigen Freiwilligen’ in die ‘richtigen Engagements’ zu vermitteln, stieß ich schon vor einiger Zeit auf das  “Multi-Paradigm Modell of Volunteering” von Nancy McDuff (2006). Auf der Suche welche theoretische Rahmung diesem Konzept wohl zu Grunde liegen könnte, wurde ich auf die tiefenpsychologische Studie von Fritz Riemann aufmerksam.

Riemann untersucht in seinem Werk, das mittlerweile in der 36en Auflage erschienen ist, die “Grundformen der Angst” und unterscheidet dabei zwischen vier Persönlichkeitstypen. In seinen Ausführungen weist er auf mögliche Probleme hin, denen Menschen mit diesen Persönlichkeitstypen begegnen können, nennt aber auch positive Eigenschaften, die zu den jeweiligen Freiwilligentypen in McDuffs Modell passen.


Riemanns Beschreibung der “schizoiden Persönlichkeiten” (Riemann 2003. S. 20ff.), die sich vor allem durch Selbstständigkeit, Unabhängigkeit, Mut, Autonomie usw. auszeichnen (ebd. S.57), passen sehr gut zur Beschreibung der “Entrepreneurial Volunteers” im Feld der Ich-Bezogenheit und der radikalen Veränderung.

Die Beschreibung der “depressiven Persönlichkeiten” (S. 59ff.) wiederum passen sehr gut zur Beschreibung des “Traditional Volunteer” im Feld der Stabilität und Objektivität. Die positiven Eigenschaften dieses Persönlichkeitstypus beschreibt Riemann jedenfalls ähnlich wie McDuff mit dem Satz:

“Er kann verzeihen, kann geduldig warten und Dinge reifen lassen und hat einen wenig ausgeprägten Egoismus” (S. 104)

Auch die von Riemann beschriebenen “zwanghaften Persönlichkeiten” (S. 105ff.) passen in das Volunteer Classification Modell von McDuff. Mit der Angst vor Veränderung, die als Vergänglichkeit und Unsicherheit erlebt wird, richtet sich dieser Persönlichkeitstyp auf Stabilität und Subjektivität aus. Übertragen auf das McDuff’sche Modell schreibt Riemann dem “Serendipitous Volunteer” “Stabilität, Tragfähigkeit, Ausdauer und Pflichtgefühl” zu (S. 154).

Der letzte von Fritz Riemann beschriebene Persönlichkeitstyp ist der “hysterische” (S. 156ff.), der die Notwendigkeit als Endgültigkeit und Unfreiheit erlebt. Er bewegt sich damit im Feld der radikalen Veränderung und Objektivität — richtet also seine Bemühungen auf seine strukturelle Umgebung aus. Dem “Social-Change Volunteer” (dem ‘Weltverbesserer’) könnte man mit Riemann “Farbigkeit, Originalität, Lebendigkeit” und die Fähigkeit der Selbstdarstellung zuschreiben (S. 198).

Zusammenfassend lässt sich hier festhalten, dass die Persönlichkeitstypen aus Riemanns “Grundformen der Angst” recht gut in das “Multi-Paradigm Modell of Vollunteering” von Nacy McDuff passen. Auch wenn Mrs. McDuff Riemann nicht zitiert liefert er mit diesen Persönlichkeitstypen doch eine fundierte theoretische Grundlage für dieses Modell zur Freiwilligenklassifizierung, das natürlich auch ein wertvolles Werkzeug für die Personalisierung des Freiwilligenmanagements ist.